Schneeschimmel


Schneeschimmel in Rasenflächen sind ein echtes Ärgernis. Das Erscheinungsbild ist stets gleich: Im Rasen sind runde, braune, graue bis rosa Flecken zu sehen. Stellen von 5 – 20 cm Durchmesser können ausfallen, auch ineinander übergehen und zusammenhängende Flächen bilden, die von einem weißlichen oder rötlichen Pilzgeflecht (Myzel) überzogen sind. Die Blätter des Rasen fühlen sich im nassen Zustand schleimig an. Morgens und bei hoher Luftfeuchte ist ein weißliches oder leicht rosafarbenes Myzel an den Fleckenrändern sichtbar.

Erscheinungsformen des Schneeschimmels

 

Bei beginnender Infektion bilden sich feuchte schmierig-graue Flecken (um 5 cm) die sich mit zunehmender Krankheitsausbreitung zu Flecken mit etwa 30 cm ausweiten und zu unregelmäßigen Flächen zusammenwachsen können. Bei größeren Schnitthöhen sind die Kreisstrukturen weniger stark ausgeprägt.

Nach Schneebedeckung sehen befallene Flächen durch Ausbleichung oft strohig aus. Der Erreger befällt vorwiegend die Blätter und Blattscheiden und verschont den Triebgrund. Im Frühjahr ist deshalb eine, wenn auch oftmals sehr zögerliche, Eigenregeneration möglich.

 

Komplettes Absterben der befallenen Gräser erfolgt vorwiegend durch zusätzliche Frostschäden oder aufgrund einer Mischinfektion.

 

Diagnose und Identifikation

 

Eine genaue mikroskopische Identifikation kann bei isolierten Stämmen von M. nivale aufgrund der ausgeprägt gestreckten Myzelstruktur erfolgen und dem spitzen Winkel, mit dem abzwei-
gende Hyphen sich verzeigen. Ebenfalls zur Identifikation herangezogen werden die Konidien (= Sporen), die sich in Sporodochien heranbilden. Die Sporodochien wirken schleimig, sind rosafarben und befinden sich im Luftmyzel an den Stängeln und Blättern. Die Konidien sind
kleiner als die der meisten Fusarien und besitzen eine halbmondförmige oder sichelförmige
Struktur. Sie besitzen drei Septen und haben
keine Fußzelle.


Krankheitszyklus und Verbreitung
M. nivale ist ein bodenbürtiger Pilz und überdauert in infizierten Pflanzen, abgestorbenem Pflanzenmaterial, aber auch im Saatgut. Bei entsprechenden Bedingungen entfaltet sich das Myzel aus den Pflanzen heraus oder keimt aus abgelegten Konidien. Der Begin einer Krankheitsausbreitung ist sehr langsam und deshalb oft unerkannt. Bei feuchten Klimaverhältnissen oder bei Abdeckung des Rasens kombiniert mit Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt entwickeln sich die Symptome sehr schnell. Bei Trockenheit und steigenden Temperaturen wird der Erreger schnell inaktiv. Konidien und infiziertes Pflanzenmaterial werden durch Pflegemaßnahmen, Tritt und Tiere leicht verbreitet.

 

Befallfördernde Faktoren
- Temperatur: (-20) 0 bis 8 (+30) °C
- Feuchte Witterung oder Schneedecke
- Bodenreaktion neutral bis basisch
- Bodentextur: alle Böden
- Hohe Stickstoffversorgung

 

Schneeschimmel tritt bevorzugt auf stark filzigen Flächen auf, die meist durch ungleichmäßige
Wüchsigkeit des Rasens gekennzeichnet sind. Bei geringem Frost weisen solche Rasenflächen
nicht gefrorene Graspflanzen auf, die immer am Rande der Winterdormanz sind und dadurch
besonders anfällig werden. Begünstigt wird die Infektion zusätzlich durch Wechsel von Schnee-
und Tauzyklen, kalte Nebeltage oder leichtem, kaltem Sprühregen. Durch Wassertropfen kann
eine Verbreitung der Konidien erfolgen. Trocke ne Tage dämmen die Verbreitung ein.
Außerdem sind strapazierte Flächen in Schat tenbereichen oder unter Bedeckung von Laub
oder Mulch und natürlich auch Schnee anfällig. Je nach Witterungsverlauf tritt die Infektion in
manchen Jahren sehr ausgeprägt auf, in anderen Jahren bleiben dieselben Flächen nahezu
verschont.

 

Vorbeugende Maßnahmen


Durch angepasste Herbstpflege können Rasen flächen auf die Winterzeit vorbereitet werden
und der Ausbruch und entstehende Schäden durch Michrodochium nivale begrenzt werden.
Grundsätzlich wird über das Jahr hinweg die Kontrolle von Rasenfilz durch Vertikutieren,
leichtes Aerifizieren und Sanden empfohlen. Bei starkem Filzaufbau kann ein Vertikutieren im
Herbst mit anschließendem leichten Besanden zusätzlich erfolgen, um altes infiziertes Material
zu beseitigen.

Um gleichmäßiges Wachstum zu erreichen, wird eine ausgeglichene Nährstoffversorgung emp-
fohlen. Im Herbst sind hohe Gaben von leicht löslichem Stickstoff zu vermeiden, die aktives
Wachstum hervorrufen und die Vorbereitung der Gräser auf die Winterdormanz verzögern. Eine
Herbstdüngung mit Kaligaben fördert eine kompakte Zellwandstruktur und stärkt die Gräser für
den Winter.
Ein Reinigungsschnitt im Herbst, auch nach der Beendigung der Spielsaison und der aktiven
Pflege, führt zu besserer Durchlüftung der Grasnarbe und somit zu schnellerem Abtrocknen.
Hierzu gehören auch das Absammeln von Laub und Mulchresten, sowie das Abwedeln von Tau.
Intensives Bewässern sollte vermieden werden. Die Schnitthöhe sollte leicht angehoben werden,
damit im Frühjahr ausreichend Blattmasse zur Photosynthese vorhanden ist.

 

Da M. nivale vor allem an neutrale bis basische Bodenreaktion gebunden ist, sind Kalkgaben im
Herbst zu vermeiden. Die Bodenreaktion sollte zur Eindämmung der Krankheitsausbreitung im
sauren Bereich gehalten werden. Nach neuesten Forschungen aus den USA kann
die Verwendung von organischen Düngern die Krankheitsausweitung fördern.
Bei anhaltender Schneedecke sind Verdichtungen durch Befahren/Betreten zu vermeiden. Bei
einsetzendem Tauwetter sorgt das Abräumen der Schneedecke für Sauerstoffzufuhr.
Fungizideinsatz wirkt vor allem präventiv und nicht kurativ. Der Einsatz und die Mittelauswahl
sind beschränkt. Dadurch entsteht ein erhöhtes Risiko von Resistenzbildung des Schadpilzes.
Bei der Auswahl von Fungiziden sind die entsprechenden Pflanzenschutzgesetze und Zu-
lassungen zu beachten.

 

Frühjahrspflege

 

Vor allem bei Sandböden mit nur geringem Nährstoffspeichervermögen sorgt bei einset-
zendem Wuchs eine Regenerationsdüngung im Frühjahr zu schnellem Verwachsen befallener
Flächen. Bei trockener Rasennarbe und aktivem Gräserwachstum sorgt Vertikutieren für Belüf-
tung und zum Ausdünnen von befallenem Pflanzenmaterial. Durch das weite Temperaturspektrum von M. nivale dienen diese Maßnah men auch zur Einschränkung der weiteren Aus-
breitung im frühen Frühjahr. Bei starker Schädigung, vor allem bei Mischinfektion, werden Nachsaaten unerlässlich. Hierbei kann über geeignete Arten- und Sortenwahl die Schneeschimmeltoleranz einer Rasennarbe deutlich erhöht werden.